50 JAHRE - Der F-Zug Rheingold von 1962

In den Jahren 1958 und 1959 erfolgte die Umstellung auf Elektrotraktion zunächst am Oberrhein und dann auch am Mittelrhein. Dies bedeutete für den damals verkehrenden F-Zug Rheingold eine Verkürzung der Fahrzeit von Basel SBB nach Hoek van Holland auf nur noch 8 Stunden 52 Minuten.

Im Jahr 1960 beschloss der Vorstand der DB, den Rheingold von den übrigen F-Zügen durch einen höheren Komfort und eine auf 160 km/h angehobene Höchstgeschwindigkeit aufzuwerten. Das Bundesbahn-Zentralamt in Minden hatte den Auftrag, neue Reisezugwagen speziell für den Rheingold zu entwickeln. In Abstimmung mit den Schweizer und den Niederländischen Eisenbahnen entstanden 10 Abteilwagen mit neun Sechserabteilen, fünf Grossraumwagen in der Sitzplatzanordnung 2 + 1. Weiterhin wurden drei Aussichtswagen nach dem Vorbild des US-amerikanischen Dome-Car gebaut. Diese Wagen erhielten eine Aussichtskanzel mit 22 Sitzplätzen, einen Barbereich sowie zwei Sechserabteile und ein Dienstabteil. Unter der Aussichtskanzel befand sich ein Gepäckraum.

Weiterhin wurden von der Deutschen Speise- und Schlafwagen Gesellschaft (DSG) zwei neue Speisewagen beschafft, die ersten Speisewagen-Neubauten nach dem Zweiten Weltkrieg. Um ein möglichst grosses Platzangebot im Restaurant mit 48 Sitzplätzen zu schaffen, entschied sich die DSG für eine besondere Bauform, in der die Küche und der Spülraum in einem zweistöckigen Versorgungstrakt untergebracht waren. Alle vier Wagentypen wurden 1962 ausgeliefert, insgesamt 20 neue Rheingoldwagen in den Farben kobaltblau/beige. Dieses besondere Aussehen bringt die Exklusivität des Rheingold zum Ausdruck. Da man zum Start des neuen Spitzenzuges noch nicht auf die windschnittigen „Bügelfalten“
E 10 zurückgreifen konnte, behalf man sich mit farblich angepassten älteren E 10, die für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h zugelassen waren. Am 27. Mai, dem Beginn des damaligen Sommerfahrplans, verkehrte der Rheingold zum ersten Mal mit neuem Aussehen und neuem Wagenmaterial. In den Zeitungen war zu lesen; "Ein grosser Name im europäischen Eisenbahnwesen erhält einen neuen Glanz".



Unsere vereinseigene Zeitung "FEK-Nachrichten" erschien im Jahr 1960 zum ersten Mal. Seinerzeit stand der Rheingold noch nicht im Mittelpunkt des Vereinsgeschehens, und so räumte man den Kurzmeldungen aus dem Schienenverkehrswesen einen wichtigen Platz ein. Unter Leitung des Gründungsmitglieds Joachim Berger trug man die wichtigen Informationen zusammen, wobei alle Mitglieder eingeladen wurden, interessante Meldungen zusammen zu tragen. Diese Kurzmeldungen waren daher auch so wichtig und informativ, da es zu damaliger Zeit kaum Zeitschriften wie Eisenbahnmagazin/ -Kurier / -Journal gab und auch hierfür kaum Geld ausgegeben werden konnte. An Informationsquellen wie Drehscheibe online war seinerzeit nicht zu denken.

Aus dieser Rubrik „Kurzmeldungen“ sind nachfolgend einige wichtige Meldungen rund um den Rheingold aus damaliger Zeit aufgeführt:

Mai 1960:
"Der bekannte F-Zug Rheingold wird voraussichtlich ab Sommerfahrplan 1962 wieder aus Spezialwagen gebildet. Aufträge sind bereits vergeben. Es gilt als sicher, dass die Wagen einen besonderen Anstrich erhalten. Ob die traditionelle Farbgebung creme-violett wiederkommen wird ?"

April 1961:
"Für den Einsatz als Rheingold hat die DB in Verbindung mit der DSG neue Wagengarnituren in Auftrag gegeben. Die Fahrzeuge werden nur 9 Abteile 1.Klasse aufweisen und damit eine weitere Steigerung des Reisekomforts darstellen. Neben diesen Regelwagen werden auch neue Speisewagen und Aussichtswagen für den Rheingold gebaut."

Eine weitere Meldung in dieser Ausgabe lautet:

"Entgegen anderslautender Meldungen beabsichtigt die DB nicht, einen TEE-Zug mit neuen Elektrolokomotiven für Spitzengeschwindigkeiten von 200 km/h in Dienst zu stellen."

Im April 1961 dachte man also noch nicht an die legendäre E 103.

April 1962:
"Im Falle der Bewährung der neuen Rheingold-Speisewagen, die einen doppelstöckig angeordneten Küchen- und Wirtschftsteil, Speiseaufzüge, Umlaufförderer, Gegensprechanlage, Klimaanlage, goldbedampfte Fensterscheiben, indirekte Beleuchtung und Platz für 48 Gäste aufweisen wird, ist der Bau 20 weiterer Wagen für das F-Zugnetz vorgesehen. Es handelt sich hierbei um die ersten Nachkriegs-Speisewagen für den zivilen Dienst der DSG."

Eine weitere Meldung in dieser Ausgabe lautet:

"Die DB beabsichtigt, für besonders schnellfahrende, elektrisch zu bespannende Züge (Rheingold) neben den z.Zt. vorhandenen E 10 1239-1244 Lokomotiven der gleichen Baureihe mit windschnittigerem Äusseren einzusetzen (Bügelfalten E 10). Darüber hinaus befindet sich bekanntlich eine sechsachsige elektrische Schnellfahrlokomotive im Entwicklungsstadium."

Oktober 1962:
"Die neue, zur Zeit in der Entwicklung stehende Elektrolokomotive der DB für 200 km/h Höchstgeschwindigkeit, Achsfolge CoCo, wird über 6500 PS verfügen. Die Gattungsbezeichnung wird "E03" sein, Lieferung voraussichtlich 1964" (die spätere E103).

Dezember 1962:
"Wieder aus dem Rheingold-Zugförderungsdienst zurückgezogen wurden von der DB zwei E 10, darunter die E 10 1239" (heute Lokomotivclub Wuppertal – zog schon unseren Rheingold).

September 1963:
"Am 8. August 1963 stellte die E 10 1270 (Rheingoldausführung) auf der Versuchsstrecke Bamberg-Forchheim einen ersten Schnellfahrrekord auf. Sie erreichte 180 km/h."

Dezember 1964:
"Mit der Entscheidung der DB, den Fernschnellzug Rheingold zum Sommerfahrplan 1965 als Trans-Europ-Express verkehren zu lassen, ist auch die Farbgebung des Lok- und Wagenmaterials entschieden (beige/purpurrot). Der Rheingold soll über Basel hinaus bis Genf (via Bern, Lausanne) verkehren."

Dezember 1965:
"Ein Termin für einen Farbwechsel bei den Wagen und Lokomotiven des TEE Rheingold kann noch nicht genannt werden. Es ist jedoch Absicht der DB, diesen Fahrzeugen auch den üblichen rot-beigen Anstrich zu geben."